Beziehungsratgeber


Der (einzig wahre) Beziehungsratgeber für Frauen
(oder: Frau zu reklamieren! Überlebenstrainer für genervte Männer)


Er pinkelt im Stehen...

er lässt die Socken liegen...         

er hat nur Fußball und Felgen im Schädel...

er will jeden Tag Sex...

er hört Ihnen nicht zu...

er hasst Ihre beste Freundin... 

er lässt sich gehen...

er raucht, er trinkt...

er ist Workaholic...

er hasst Romantik... 

ihm fällt Ihre neue Frisur nicht auf... 

er hasst Ihre Mutter...

er putzt sich nicht die Zähne... 

er vergisst Ihren Jahrestag...

er hängt an Ihnen wie eine Klette...

er holt sich neben Ihnen im Bett einen runter...

er ist kurzum primitiv und Sie sind immer noch mit ihm zusammen? 

Weil Sie nichts besseres zu tun haben, als ihn ändern zu wollen? 

Dann lesen Sie besser nicht weiter, es könnte Ihrem Wohlbefinden schaden ...

 

Bevor es überhaupt dazu kommt, dass Sie sich nach Monaten über seine Urinabführgewohnheiten schwarz ärgern, geht natürlich erst einmal die Kennlernphase voraus. Sie wissen, was ich meine, oder?

Diesen Moment als Sie ihn das erste Mal gesehen haben. Mitten im größten Kneipenpulk bleiben Sie plötzlich an diesem sensationell blauen Augenpaar kleben. Er sieht sie mit ernster Miene an. Darauf stehen sie natürlich. Jetzt wirkt er ja erst interessant. Das Spielchen beginnt. Sie sehen weg und kurze Zeit später abermals zu ihm hinüber.

Rein zufällig blickt er in Ihre Richtung und Sie sehen wieder gekünstelt unschuldig weg. Sie meinen, dadurch wahnsinnig interessant zu wirken (nettgemeinter Tipp: es nervt ihn zwar, aber er geht darauf ein. Sie könnten zur Abwechslung ja auch mal rüberlächeln, Sie Unnahbare, Sie!).

Okay, der Grundstein ist gelegt. An diesem Tag verzeiht er Ihnen sogar, wenn Sie das komplette Ellen-Betrix-Warensortiment als Spachtelmasse auf Ihrem Gesicht Reklame tragen. Von der Evolution wie ein Stiefkind behandelt, schlummert heute immer noch in ihm sein ureigener Jagdinstinkt.

Damals noch das zähe Viech selbst erlegt und abgeschlachtet, damit seine Lieben daheim bestens versorgt sind, spart er sich heute die Mühe und überlässt die Arbeit dem türkischen Dönerexperten.

Er ist halt wesentlich cleverer geworden - unser Mann.

Stürmen wir also zurück ins zivilisierte Dickicht der dicht an dicht gedrängelten Kneipen- und Discogänger. Sein Interesse haben Sie also ohne viel Mühe geweckt und sein Blick ist noch leicht getrübt. Nach vergeblichen Stunden des Wartens und nervösen Zupfens an Ihren Haaren macht er die ersten Schritte. Er kommt auf Sie zu. Ihr Herz pocht aufgeregt und binnen weniger Sekunden haben Sie Ihr Äußeres und Ihre Stimmlage gecheckt (Sitzen meine Haare? Genug Parfum? Odolspray benutzt? Kaugummi raus aus dem Mund? Brust zurechtgerückt?).

Aber, aber gnädige Frau ... anstatt dererlei überflüssiger Gedanken hätten Sie die Zeit lieber nutzen sollen, um zu überlegen, über was Sie mit ihm eigentlich reden. Ja, diese kleinen Buchstaben, die sich Wörtchen für Wörtchen aus Ihrem Mund herausschmuggeln. Die gefährlichen kleinen Biester, die in Sekundenschnelle darüber entscheiden, ob er Sie will oder nicht. Keinen blassen Schimmer, wovon die Rede ist? Denken Sie doch mal an die kleinen netten Anekdoten zurück, die Sie jedem Ihrer Favoriten gerne erzählen, die Superpotenz Ihres letzten Ex-Freundes, der sieben Mal ohne Pause hintereinander konnte, der Mega-Penis Ihres vorletzten One-Night-Stands, welcher Sie in Exstase versetzt hat, die Fremdgeh-Aktionen Ihres vor-vorletzten Ex-Freundes, die cholerischen Wutausbrüche Ihres vor-vor-vorletzen-Ex-Freundes, die Schweinerei, dass der Kerl von voriger Woche nach einer gemeinsamen Nacht nicht mehr angerufen hat und so weiter und so fort. Nett umschrieben, kommt's halt einfach nicht gut an.

Tatsachenberichte, wie Ihre letzte Alkoholvergiftung, Ihr überzogenes Konto, Ihre Kindheit mit gewalttätigen Eltern, Ihre letzte Psychotherapie, Ihren Putzzwang, Ihre gehässige Freundin, Ihre letzten negativen Schwangerschaftstests sollten Sie auf einen späteren Zeitpunkt der - falls überhaupt noch stattfindenden Beziehung - verlegen. Zeit ist ja im Überfluss da. Deshalb bräuchten Sie ihn eigentlich auch nicht, dank des Zeitüberflusses, direkt in der ersten Kennlern-Nacht von Ihrer Bettakrobatik zu überzeugen. Denn in diesem Moment wird eine Frage geboren, die Sie beide bis zum Rest Ihrer Beziehung begleiten wird: "Bei mir war sie so schnell bei der Sache ... vielleicht würde sie es ja auch bei anderen so schnell ... ?".

Logisch. Klar. Er war ja genauso schnell und euphorisch am Werke. Aber nicht außer Acht zu lassen ist dennoch die klitzekleine Tatsache, dass beim Mann nach Befriedigung seiner Hormone wieder der Realitätssinn einsetzt; sprich: Ihre Spachtelmasse im Gesicht, Ihre Vergangenheitsgeschichten und Ihre stürmische Art gleich in der ersten Nacht passen halt nun mal nicht ins Bild dieser jenen Einen. Kurzum: Sie werden niemals seine Traumfrau sein. Die Ungerechtigkeit könnte zwar zum Himmel schreien, aber Sie werden wohl kaum erhört werden. Es sei denn, er ist so tolerant und nachgiebig, dass er mit alldem gut leben kann. Dann allerdings haben Sie einen wirklich seltenen Fisch an der Angel (und der sollte warmgehalten aber nicht durchgebraten werden).

Übrigens leidet ein Mann, nachdem Sie ihm seine Telefonnummer zugesteckt haben aber nicht zurückruft, keinesfalls an ersten Anzeichen von Alzheimer. Auch Schwulsein ist ausgeschlossen. Schüchtern könnte er zwar sein, aber er ist es nicht. Ja, ja, sicher. Er könnte Ihre Nummer verloren haben. Aber mal im Ernst. Welcher Mann verliert schon die Telefonnummer seiner Angebeteten? Er würde sie hüten, wie seine Eintrittskarte für die bevorstehende Fußball-WM. Es ist hart, aber realistisch. Er meldet sich nicht, weil er keine Lust hat, zum Hörer zu greifen und sich Ihr Gequake vom Vorabend über Ihre traumatische Teenager-Akne , noch ausführlicher schildern zu lassen. Haben Sie es aber irgendwann doch geschafft, den vermeintlichen Traummann in eine Beziehung zu locken, dann könnten Sie damit beginnen, an Ihrer nun plötzlich auftretenden Intoleranz zu arbeiten.

Klar, Sie regt es auf, wenn er im Stehen an seiner zielgenauen Spritztechnik herumexperimentiert. Aber vielleicht stört es ihn ja auch, dass Sie unentwegt seinen 200,- DM teuren Braun-Akkurasierer zum Entfernen Ihrer Schamhaare benutzen.

Okay, er redet ständig über Fußball. Aber wie oft sprechen Sie über die neuesten Ereignisse im Big-Brother-Haus?

Gut, er hasst Ihre beste Freundin. Aber wieso gackern Sie auch so albern mit ihr herum und lachen sich beide über ihn tot, wenn er neben Ihnen auf dem Sofa sitzt?

Er putzt sich nicht die Zähne. Na gut, aber dafür drücken Sie sich Ihre Pickel aus.

Seine Art, neben Ihnen im Bett zu liegen, leise zu stöhnen und sich einen herunterzuholen nervt sie? Hm, vielleicht sollten Sie einfach mal drüber nachdenken, ob einmal in zwei Monaten Sex nach Beendigung von Gute Zeiten Schlechte Zeiten nicht etwas wenig sein könnte.

Wie auch immer. Die Emanzipation hat uns Frauen weit nach vorne gebracht. Statt am Herd zu stehen und den Kochlöffel zu rühren, mischen wir heute den Bilanzenbrei in der Chefetage des Multikonzerns. Ist ja auch eine klasse Sache. Wir haben eigentlich alles erreicht, was es zu erreichen gibt und längst bewiesen, dass Frauen gleichberechtigt und ebenso konditioniert sind wie Männer. Dafür bedarf es heutzutage einfach keiner Beweise mehr, denn es ist viel im Laufe des Emanzipations-Zeitgeschehens passiert.

Der Geschlechterkampf naht also definitiv seinem Ende. Opfer hat er ja genug gefordert, wenn man mal an alle gefallenen Machos dieser Nation denkt. Wer sich heute noch als Chauvinist profiliert, ist sowieso schon Loser genug. Allerdings schreckt der Gedanke entsetzlich ab, die Männer allzu sehr verweiblichen zu wollen, was ja auch nie Ziel der Frauenrechtlerinnen war. Lasst sie im Stehen pinkeln. Wenn sie's selbst wegwischen, stört's doch keine Sau (weibl. Form von "Männer sind Schweine"). Da wir Frauen nun sogar in der Bundeswehr die Offizierslaufbahn einschlagen können, sind wir längst über das Ziel längst hinausgeschossen. Männerwitze gibt es mittlerweile genauso en masse wie Frauenwitze. Männer nehmen Erziehungsurlaub, während die Frauen mit Aktentaschenkeule die Lieben daheim versorgen. Der Geschlechterkrieg könnte also längst vorbei sein, wenn man (frau) ihn nicht so ermüdend zäh wie altes Kaugummi ziehen würde. Männer sind Schweine. Männer sind hirnlos. Männer sind primitiv. Ja, ja. Und wer's glaubt, wacht morgen mit einem Schwanz auf. Aber nicht beschweren, wenn Sie sich dann mit diesem Ding da unten auf ein Fahrrad setzen. Ich frag' mich nämlich schon seit Jahren, wie Männer das stundenlang aushalten können, ohne über ihr lästiges Anhängsel, das einem doch ständig in der Quere sein muss, zu fluchen.

 

Und ganz ehrlich, wenn Männer nicht so wären, wie sie sind, wär's halb so spannend.